07 / Jänner / 2026

Bubble der 90er

  • „Ein Großteil dessen, was die 90er ausmachte, war diese riesige Frage: Wie können wir als Frauen mit einer Vorstellung von Weiblichkeit leben, ohne, dass sie uns zerstört?“ Musikkritikerin Ann Powers

 

  • Die 80er läuteten eine neue Ära von Supermodels ein: die athletischen (starken) Supermodels. Sie waren sportlich, gut bezahlt, glamourös und mussten teilweise aber sukzessiv in der 2. Hälfte der 1990er einer anderen Art den Laufsteg überlassen – den elfenhaften, kindlichen (schwachen) Models. Designer bevorzugten Mädchen, keine starken Frauen, die wissen was sie wollten. Damit einhergeht der sog. „Heroin Chic“: Egal ob im Film, Fernsehen, auf Bühnen und Laufstegen – der Trend geht weg von den starken Frauen der 80er hin zu den zarten, zerbrechlich wirkenden Frauen

 

  • Nach dem HIV-Schock blüht vor allem die Pornoindustrie auf, durch die entsteht eine Freizügigkeit die frau zum einen als Befreiungsschlag interpretieren oder auch nutzen konnte, zum anderen aber wurden Frauen stark sexualisiert – siehe die Filme Ende der 90er und 00er à la „American Pie“

 

  • Durch die von der Post-HIV-Schock-Gesellschaft verursachten Übersexualisierung und dem damit einhergehenden Aufschwung der Porno-Industrie, finden Porno-Motive nach und nach Einzug in die Popkultur

 

  • Die Pornografie wurde eine zunehmend wichtige kulturelle Macht in den späten 1990er-Jahren – je sexualisierter die Künstlerinnen, desto besser. Das Augenmerk diverser Fernsehsender lag darauf sexualisierten Content zu produzieren. – Siehe hierzu auch Pornomotive in Lil‘ Kims Album Hardcore, Britney Spears Video Baby One More Time  – Beachte hier die Sexualisierung von Teenagern! MTV – 1981 – und die in Folge produzierten Musikvideos trugen maßgeblich dazu bei, dass das Aussehen der Sängerinnen wichtiger wurde.

 

  • In den Filmen der 90 er („American Pie“, „Clueless“ u.Ä.) wird die Jungfräulichkeit von weiblichen Teenagern zum Preis, den alle wollen. Von der öffentlichen, viralen Demütigung, die Nadia in „American Pie“ erlebt und den nicht vorhandenen Konsequenzen für den Verursacher ganz zu schweigen

 

  • In Filmen werden Frauen entweder als hilflos oder aber als gefährliche femme fatale dargestellt, vor allem das Lolita-Motiv ist beliebt. Zur Verehrung und Fetischierung von Frauen in den Filmen und v.a. dem 1990er-Lolita-Motiv höre den Podcast „You must remember this“ (Spotify)

 

 

  • Demi Moore gewinnt durch Filme wie „Striptease“ und „Showgirls“ an Einfluss, erinnert optisch an die 80er Supermodels, muss aber auch das tun, was in dieser Zeit erwartet wird – so tritt sie um ihren Film zu promoten bei Letterman als Stripperin auf

 

  • Fotografen etablieren sich als mächtige, einflussreiche Künstler, die mit der Nacktheit der Frauen provozieren und sich profilieren wollen. Die Grenzen zur Ausbeutung verschwimmen oder werden aufgehoben, Porno wird Mainstream, schreckt nicht mehr ab. Auch Fotografinnen beteiligen sich an diesem Trend, manchmal auch wie manche männlichen Kollegen mit kritischem Blick, was bleibt ist aber Nacktheit und eine Frau, die oft zu jung war um die Folgen abzuschätzen. Viele Fotografinnen wollen sich in dieser Männerdomäne behaupten und werden so auch zu Ausnutzerinnen. (siehe hierzu auch „Pick-me-Girls“)

 

  • Positiver Nebeneffekt: Sexarbeit wird entstigmatisiert. Negativer: Der Gedanke des Frauenkörpers als ultimative Handelsware der Millennials wird verstärkt.

 

  • Spätestens 1995 läutet das Internet eine postprivate Ära ein: Pamela Andersons Sextape wird geklaut und online gestellt. Frauen werden dazu gedrängt immer mehr von sich zu enthüllen, Provokation verkauft sich, profitieren tun andere. Ein wenig Macht gewinnt allerdings Madonna zurück. In den 80ern drohten Playboy und Penthouse Nacktfotos ihrer Teenagerzeit zu veröffentlichen – sie hatte nichts mehr zu verlieren und holte mehr oder weniger zum Rundumschlag aus. Nicht vielen Frauen gelang dieser Drahtseilakt – Pamela Anderson verlor ihre Klage gegen das Unternehmen, das das Video verbreitete mit der Argumentation sie habe sich doch im Playboy entblößt. „Und so verlor eine der berühmtesten Frauen dieser Welt ihr Recht auf ein privates Sexleben.“ („Gilrs vs Girls“) Die sex-positive Madonna, die das Machtspiel bzgl. Geschlechtsverkehr sehr gut verstand, veröffentlichte 1992 den Bildband „SEX“, der als erster erotischer Bildband, nicht der Erregung Männern diente.

 

  • „Die Riot-Grrrl-Bewegung, die sich zu Beginn nicht durch Songs bemerkbar machte, sondern durch eine Liste von Vergewaltigern, die an eine Toilettenwand im Evergreen State College geschrieben wurde und die Spice Girls standen einander diametral entgegen: Erstere war organisch aus der Kunst erwachsen, die Frauen selbst machten, um als engagiertes, politisches Fandom Präsenz zu zeigen; die Spice Girls wurden wiederum von einem Vater-Sohn-Produzentenduo gegründet, das in einer Fachzeitschrift einen Aufruf für ein Vorsingen angekündigt hatte. R.G. waren eine kreative Erscheinungsform des Feminismus der dritten Welle; die Spice Girls wiederum Vorreiterinnen und Verkörperungen des Postfeminismus und dessen Botschaft: Der Feminismus war nun vorbei und hatte alles erreicht, was er erreichen musste, denn Frauen konnten jetzt anziehen, was sie wollten; jede individuelle Entscheidung war nun empowernd, wenn sie dazu ernannt wurde; der Konsum war der Weg hin zur Selbstverwirklichung.“ Sophie Gilbert, Girl vs Girl – Wie Popkultur Frauen gegeneinander aufbringt

 

Denk noch nach über:
Tic Tac Toe; Blümchen; Eminem u.Ä.
Hör rein:
Und was war noch mal mit den Malerinnen, Fotografinnen,… wie
??
Literatur/nicht explizit genannte Internetquellen:
Sophie Gilbert, Girl vs Girl – Wie Popkultur Frauen gegeneinander aufbringt
Supermodels im Laufe der Jahrzehnte – Kate Moss Naomi Campbell Cindy Crawford

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