07 / Jänner / 2026

Die 2000er: Einbruch oder Aufbruch?

  • Body Shaming vor allem durch Nahaufnahmen in „Bravo“ und Co von den „Problemzonen“ von berühmten Frauen. Women of Colour positionieren sich gegen „weißen“ Schlankheitswahn, siehe Beyoncé, Lil‘Kim oder J.LoImani Perry: „Weiße Mädchen werden überflutet von einem unmöglich zu erreichendem Schönheitsideal: fließendes blondes Haar, elfengleiche Körper, große Brüste, keine Cellulite,, kleine, aber runde Gesichtszüge, hohe Wangenknochen.“ Girl vs Girl – Dagegen: J.Lo, Beyoncé (Stichwort Bootylicious), Kardashians – was sich aber zumindest bei Letzteren auch noch ändern wird

 

  • Diet Culture: Scham als Waffe um weibliche Ambitionen und Handlungsfähigkeiten zu neutralisieren und patriarchale Macht zu schützen.

 

  • It-Girls wie Jessica Simpson und Paris Hilton („The Simple Life“) profitieren (scheinbar) vom Dummen-Blondchen-Image

 

  • Realityshows, wie Schönheitswettbewerbe, bei denen zum Schluss ein Mann die schönste Frau bekommt während die Frauen den Mann gar nie zu Gesicht bekommen haben, boomen – „Who Wants to Marry a Multi-Millionaire?“ . Das Reality Genre wird von Medienktritikerin Jennifer L. Pozner als „lebhaftes Beispiel der popkulturellen Backlashes gegen Frauenrechte und sozialen Fortschritt“ bezeichnet. Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten sind dabei – Verkäuferinnen oder Akademikerinnen werden zu Jane Austin Protagonistinnen. Siehe dazu Sophie Gilbert, Girl vs Girl

 

  • Neue Supermodels: Victoria’s Secret Angels; Topmodels = Magermodels, dadurch wird Size 0 die einzig akzeptable Größe

 

  • Mode, die fast alles zeigte, florierte – die Folge: es gab eigentlich nur mehr zu fett oder zu dünn und (zu) viele Silikonbrüste (bei Teenagern), die alle Welt besprochen hat, auch (vermutliche) Schwangerschaften Minderjähriger (denke hier an die Übersexualisierung Minderjähriger!) und natürlich war auch der After-Baby-Body immer wieder Thema in der Klatschpresse und brachte Frauen unter immensen Druck, dagegen scheinen die „Who wears it better“-Rubriken in den diversen Magazinen fast harmlos.

 

  • Als Kompliment gilt: Mit der würde ich es tun. Die, mit der es niemand tun will, geht zu Umstylingshows – und das hässliche Entlein wird zum Schwan. In den Top Model-Casting Shows wird frau für „zu viele“ Kilos öffentlich beschämt – „normale“ Mädchen der 00er orientieren sich an diesen Konzepten, suchen die Probleme an sich und den anderen

 

  • Allgemein sollen Frauen/Mädchen gegeneinander ausgespielt, destabilisiert werden, auch durch Filme wie „Mean Girls“, die suggerieren, dass Frauen nicht zusammenhalten können

 

  • Misogynie im Film boomt: Schwer verliebt, Beim ersten Mal, Bridget Jones, White Chicks … Männerkomödien wie Hangover erobern die Leinwände und Männer werden beim Date-Profi zu Alpha-Männchen erzogen. In Filmen wie Hier gilt mein Gesetz wird sexueller Missbrauch als normal angesehen. Auch in den 00er Jahren gilt wie in den 90ern: Frauen – eigentlich Mädchen – wirken zwar so, als hätten sie die Macht zu entscheiden wer Sex hat und wer nicht, dass es sich aber dabei doch nur darum dreht, was Männer wollen und, dass deren Entjungferung ein heldenhafter Weg zur Männlichkeit wird, ist die Realität.

 

  • Die mediale Darstellung von Frauen führt auch bei Frauen zur Internalisierung von Misogynie: Du kannst alles schaffen, wenn du weniger typisch Frau bist. Pick-me-Girls als Kumpel, die auch Sex mit dir haben – desto mehr du bist wie ein Mann, desto cooler, wenn sexistische Witze fallen, du einmal versehentlich berührt wirst, desto beliebter bist du. Als solches Girl suchst du Männerfreundschaften, denn Frauen sind ja eh nur zickig und stutenbissig…

 

  • Frauen werden, um mehr KonsumentInnen zu bekommen, als öffentliche Zielscheibe für Hass genutzt, so wünschen Fans von Heath Ledger Britney Spears den Tod und zeigen dies durch Shirts mit dem Aufdruck: Why Couldn’t It Be Britney?- hier ist vor allem Perez Hilton zu nennen, der Frauen „ekelhaft“ werden lässt

 

  • Klatschpresse verleitet zur Menschenjagd und auch vor (weiblichen) Promikindern wird nicht Halt gemacht

 

  • Girls vs Girls auch in der Musikszene:
    P!NK „Stupid Girls“  – heute reagiert sie allerdings anders in solchen Fällen: siehe Instagram
    Christina Aguilera vs Britney Spears; auch die Dynamik in den Groups, die aus den Castingshows entstanden sind und in der jede Frau ihre Rolle zu spielen hatte, darf man nicht unterschätzen – oder denk an t.A.T.uEs kommt zu künstlich erzeugten B****fights

 

 

  • Porno-Chic-Ära in Film, Fernsehen und Musik sowie Literatur – Porno wird salonfähig und zelebriert. „Snoop Dogg’s Doggystyle“ Hardcore Porno-Video erscheint

 

  • „Die fadenscheinigen Grenzen zwischen Mode, Pornografie, Kunst und Werbung begannen sich aufzulösen.“ Und die stark sexualisierten Darstellungen von jungen Frauen werden als Empowerment missgedeutet – denn „sie bildeten eine Version von Sexualität ab, die vom männlichen Blick und der männlichen Lust geprägt war.“ S.G., Girl vs Girl

 

  • Extremer Machtmissbrauch wurde geduldet und teilweise auch öffentlich gemacht und damit geprotzt.

 

  • Paris Hiltons Sextape wird ohne ihre Zustimmung veröffentlicht

 

  • PS: Kaum Frauen Ü40 in den Medien – DAS Hobby der 00er Jahre: Junge Frauen anschauen – auch als Ablenkung von 9/11 und Weltwirtschaftskrise

 

  • Die 2000er waren geprägt von der Ambivalenz sich als Frau stark zu fühlen und das durch Freizügigkeit zu zeigen und gleichzeitig nicht zu gesichtslosen Sexobjekten zu werden. Musikvideos werden pornografisch, Frauen in der Öffentlichkeit – auch oder v.a. Politikerinnen werden auf ihr Aussehen und die Sex-Eskapaden ihrer Ehemänner beschränkt, was in den folgenden Jahren noch zunimmt….

 

  • Denk nach über: den Kuss von Madonna und Britney Spears + Madonna und Christina Aguilera, die (als Befreiungsschlag?) zu Xtina wurde; Lindsay Lohan; Amy Winehouse; Britney Spears‘ Comeback 2007 bei den VMAS und wie sie denunziert wurde

 

 

 

verwendete Literatur: Tara-Louise Wittwer, Nemesis Töchter und Sophie Gilbert, Girl vs Girl

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